Samstag, 4. Mai 2013

Es stehen mal wieder die 25km an.

Morgen werde ich wieder einmal die 25km von Berlin laufen. Das erste Mal war ich dort 1999 dabei. Zwischen der 1:53:20 von damals und meiner Bestzeit von 1:30:25, die ich drei Jahre später gelaufen bin, ist viel Platz. Der Lauf wird für mich auch ein Test dafür, wie unwahrscheinlich die sub-3 in vier Wochen sein wird. Ich habe vereinbart, den Lauf mit einem Freund (der im Moment kaum trainiert, aber auch erst in der M35 ist) zusammen in 4:00/km anzugehen. 1:40 wäre zwar nicht die Welt, aber deutlich besser als die Katastrophe beim Halbmarathon und falls sogar 20km in 1:20 und dann eine leichte Steigerung auf dem etwas schwierigeren letzten Stück möglich sein sollten, wäre das ein gutes Zeichen. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Verdient hätte ich das bei meinem halbherzigen Training eigentlich ohnehin nicht. Wir werden sehen.

Nachtrag: Ich war gerade noch einmal 5km laufen, mit zweimal einem Kilometer in versuchten 4:00. Beide gescheitert, 3:48. Meine Beine halten mich immer noch für einen 2:40-Marathonläufer. Wie sie sich irren!

Ich krame mal aus dem Archiv, wie es vor zehn Jahren war. Ich entschuldige mich für die Länge, die Abkürzung “tl;dr” existierte damals noch nicht.

Die 25km von Berlin sind ein Berliner
Straßenlauf mit Tradition, 1981 von den französischen Allierten in
Berlin als `25km de Berlin' ins Leben gerufen, was damals, als
Straßenläufe in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit waren,
den Vorteil hatte, dass die Polizei eine Genehmigung erteilen musste.
Inzwischen wird der Lauf vom Berliner Leichtathletik-Verband
organisiert. Leider scheint er in der Teilnehmergunst hinter den
großen Veranstaltungen des SCC (Berlin-Marathon, Berliner Halbmarathon
etc.) zurückzustehen. Dabei ist zum Beispiel die Versorgung mit
Toiletten (sicher auch durch das kleinere Teilnehmerfeld) und Duschen
(durch die Rudolf-Harbig-Halle am Ziel und nächstes Jahr, wenn sich
die Bauarbeiten dem Ende nähern, hoffentlich wieder durch Ziel im
Olympiastadion) hervorragend.
Auch die lokale Spitze zeigt sich hier weniger als zum Beispiel beim
Berliner Halbmarathon Anfang April, was ich vor allem darauf
zurückführe, dass der Lauf aufgrund des Termins schwer mit einem
Frühjahrsmarathon zu vereinbaren ist. In diesem Jahr konnte man
darauf hoffen, dass dies ein wenig anders sein würde, da im Rahmen
dieses Laufes die Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften im
Halbmarathon ausgetragen wurden: An der HM-Marke stand ein
Kampfgericht, und man konnte sich dort entscheiden, ob man die 25km zu
Ende laufen wollte oder nicht. Meiner Ansicht nach war das keine
sehr glückliche Lösung, aber man muss dazu sagen, dass die Vereine
sich nicht gerade um die Austragung von Meisterschaften reißen, so
dass hier dem Verband kein Vorwurf gemacht werden sollte. Selbst wenn
das dazu geführt hat, dass die HM-Meisterschaften sechs Tage vor den
10.000m-Meisterschaften waren.
Meine Form war in diesem Jahr die große Unbekannte. Nachdem ich
einige Zeit nur eingeschränkt trainieren konnte, hatte ich zwei
richtige Trainingswochen hinter mich gebracht, in denen zwar einige
Dauerläufe ganz gut, aber alle Versuche, schneller zu laufen,
schrecklich verlaufen waren. Gekrönt war diese Phase von einem
10km-WK in 36:45. In der Woche vor dem WK war ich dann nur locker
gelaufen, was sich gegen Ende ganz gut anfühlte. An einen ernsthaften
Versuch, unter 1:30 zu kommen, woran ich im Vorjahr mit 1:30:20 trotz
guter Form gescheitert war, war also nicht zu denken. Auf der anderen
Seite wollte ich doch zumindest unter meiner Durchgangszeit von
1:33:48 bei meinem letzten Marathon bleiben, doch selbst das musste
nicht einfach werden. Auch, dass es wärmer als in den Vorjahren war,
würde die Sache nicht erleichtern. Am gleichen Tag fand die
Hitzeschlacht von Düsseldorf statt. Da unser Start aber um 9.00 war
und es `nur' über 25km ging, war die Beeinträchtigung deutlich
geringer.
Beim Einlaufen habe ich meinen Vereinskollegen (Blödes Wort, gibt es
ein besseres?) Dietmar, einen sehr erfahrenen Läufer, gefragt, in
welchem Tempo er angehen wolle. Er hatte 5km-Abschnitte von 18min
geplant, was ich trotz allem auch versuchen wollte. Auf dem ersten
Streckenstück begegnete ich einem Läufer eines anderen Vereins, mit
dem ich mich nach Wettkämpfen schon nett unterhalten hatte und der im
Gegensatz zu mir bisher eine gute Saison hatte. Da ich mich gut
fühlte, bin ich einfach mitgegangen. Dietmar versuchte noch, mich
zurückzuhalten, aber erfolglos. So bin ich die ersten 5km in 17:30
gelaufen, wobei es dort allerdings etwas bergab geht. Ich habe mich
danach aber doch darauf besonnen, dass das wohl ein zu schnelles Tempo
wäre und habe mich gedrosselt. Das hatte zur Folge, dass ich
irgendwann plötzlich Dietmar 100m vor mir sah, ohne zu wissen, wann er
mich überholt hatte. Die 10km-Marke passierte ich bei etwas unter
36min. Es hätte geschicktere Wege gegeben, das zu erreichen. Eine
Weile war ich alleine gewesen, dann hatte mich eine kleine Gruppe
eingeholt. Ich sah sie mir an und blieb dabei. Ein gutes Gefühl
hatte ich aber nicht, denn ich merkte schon die Anstrengung, während
zwei der Gruppe sich noch unterhielten und es auch meine Meinung war,
dass man auf dieser Strecke vor Kilometer 15 eigentlich nicht mit der
Arbeit beginnen durfte. Es ging dann aber doch ganz gut, und nach
Kilometer 15 fand ich mich teilweise in der Führung der Gruppe wieder,
wollte die Arbeit aber auch nicht alleine machen. Dietmars gelbes
Vereinshemd blieb lange in konstanter Entfernung vor mir, wobei er die
meiste Zeit alleine lief, dann aber zu der Gruppe vor sich aufschloss.
Bei Kilometer 19 begann die gefürchtete Steigung: 25m auf 1,5km, wer
welliges Terrain gewöhnt ist, wird lachen, aber nach 20km merkt man
dieses Stück sehr wohl. Wie genau das Rennen hier verlief wusste ich
danach nicht mehr, aber ein Bild, das ich am Vereinsabend danach zu
Gesicht bekommen habe, zeigt mich in scheinbar ganz guter Verfassung
vor einem anderen Läufer unserer kleinen Gruppe, die hier wohl
auseinander gefallen war. Auch in der Gruppe vor uns, zu der Dietmar
aufgeschlossen hatte, hatte es einige erwischt, überrascht hatte ich
den Läufer überholt, der mich auf den ersten Kilometern zu höherem
Tempo verleitet hatte. Auch die Wärme merkte man inzwischen, bei der
Verpflegungsstelle bei Kilometer 20 griff ich mir zwei Becher, das
meiste nutzte ich aber zur Kühlung von außen. Die Halbmarathonmarke
passierte ich in 1:17:4. Danach war ich eine Weile alleine, ein
Läufer, den ich überholte, munterte mich noch auf, was auch nötig war,
um die Anstrengung aufrecht zu erhalten. Gemein finde ich die
Situation, wenn man dann dort, wo der Start war, auf das
Olympiastadion zuläuft. Man sieht schon den Glockenturm, an dem das
Ziel ist, dahinter, und hat dennoch noch zwei Kilometer zu laufen.
Auf dem Weg zum Ziel lief noch ein Läufer an mir vorbei, der sich sein
Tempo offenbar gut eingeteilt hatte. Ein anderer Läufer war auf dem
Weg zum Ziel mal vor, mal neben mir, und es fiel mir schwer, mich dazu
zu bringen, gegenzuhalten. Nach der HM-Marke waren ohnehin alle
Läufer von Gegnern zu Freunden geworden. Als ich nach der letzten
Kurve das Ziel in Sicht hatte, überwindete ich mich, zu einem Endspurt
anzuziehen. Ich dachte, ich wäre vorbei, da beginnt der Gegner (jetzt
war er wieder einer) zu beschleunigen. Ich versuche, selbst zu
beschleunigen, da tritt er derart an, dass ich sofort einsehe, nicht
mithalten zu können, und austrudeln lasse. Vielleicht hatte ja der
eine oder andere Zuschauer Spaß daran.
Das Ziel erreichte ich in 1:31:35 als 26. Läufer und siebenter
Berliner. Ich war nach dem Lauf sehr zufrieden, nicht nur wegen des
Ergebnisses, sondern auch, weil ich das Gefühl hatte, mal wieder ein
richtiges Rennen gelaufen zu sein. Die verkorkste Frühsaison sehe ich
damit als beendet an. Neue Ziele mögen kommen.
Zwischenzeiten (z.T. interpoliert)
1 3:30
2 3:30
3 3:28 abwärts
4 3:31 noch abwärts
5 3:36 17:35
6 3:36
7 3:42
8 3:36
9 3:45
10 3:40 35:54
11 3:40
12 3:40
13 3:40
14 3:41
15 3:43 54:19
16 3:41
17 3:44
18 3:37
19 3:41
20 3:49 1:12:51 aufwärts
21 3:52 aufwärts
22 3:43
23 3:43
24 3:49 nochmal ~10m aufwärts
25 3:37 1:31:35


Morgen wird es übrigens nicht nur deshalb anders, weil ich inzwischen deutlich langsamer bin, sondern auch, weil seit letztem Jahr ein Teil der Läufer legal abkürzen darf, so dass man auf dem dreizehnten Kilometer auf Läufer trifft, die 3,9km weniger gelaufen sind, und die man dann überholen darf.

Kommentare:

  1. Hi Carsten, deine Berichte sind genial und motivieren mich für den Rest der Saison. LG M.M ehemals LTC

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    1. Danke, der Grund könnte sein, dass ich damals, als ich den Bericht geschrieben habe, selber noch sehr motiviert war. Dafür muss ich nun an einigen Stellen über meine Ernsthaftigkeit schmunzeln.

      Gruß, Carsten

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